Mark Rosenfelder: Der Sprachbaukasten, aus dem Englischen von Carsten Becker

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Modelle

Natürliche und unnatürliche Sprachen

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Ich persönlich mag ja naturalistische Sprachen, deswegen sind meine erfundenen Sprachen auch voller Unregelmäßigkeiten, außerdem haben sie seltsame Wortableitungen und interessante idiomatische Ausdrücke.

Natürlich ist es einfacher, eine "logische" Sprache zu entwickeln; es ist sogar wünschenswert, wenn man eine Hilfssprache à la Esperanto entwickelt. Die Gefahr hierbei ist allerdings

  1. ein so reines, abstraktes System zu erschaffen, dass es unmöglich wird, es zu lernen; oder
  2. nicht zu merken, dass man einige Ungereimtheiten, die in der benutzten Vorlage vorkommen, reproduziert. Frag mich bei Gelegenheit nochmal nach den Unregelmäßigkeiten des Esperanto.

Nicht-westliche (oder zumindest nicht-englische) Ansätze

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Wenn man sich ein paar nicht-indogermanische Sprachen wie zum Beispiel Quechua (siehe meine Einführung ins Quechua im Metaversum), Chinesisch, Türkisch, Arabisch oder Swahili anschaut, kann einem das wirklich die Augen öffnen.

Lerne andere Sprachen, wenn du kannst. Wenn es dir zu scher fällt, komplette Sprachen zu lernen, schau dir einfach eine Grammatik an und klau dir ein paar nette Ideen. In Bernard Comries The World's Major Languages stehen zum Beispiel kernige Beschreibungen von fünfzig Sprachen. Anatole Lyovin bietet in seinem Buch An Introduction to the Languages of the World lesbare Berichte zu allen Sprachfamilien dieser Welt. Lyovin macht dabei Hinweise zu touristischen Höhepunkten und gibt detailliertere Auskünfte über ein paar wichtige Sprachen, die Comrie ausgelassen hat.

Wenn du keine anderen Sprachen gut kannst, bist du so ziemlich dazu verurteilt, Codes fürs Englische (Anm. d. Übers.: oder fürs Deutsche) zu produzieren. In anderen Grammatiken (oder dieser HTML-Datei) nachzulesen kann dir helfen zu vermeiden, die englische Grammatik zu kopieren. Es gibt dir auch ein paar nette Ideen zum Ausprobieren. Aber wirklich schwierig ist es mit dem Wortschatz. Wenn du nur Englisch (Anm. d. Übers.: das heißt deine Muttersprache) kennst, dann wirst du dazu tendieren, die Struktur und feste Ausdrücke daraus zu kopieren. Unten gebe ich ein paar Hinweise, wie man dieses Problem minimieren kann.


Laute

Nichtlinguisten beginnen oft mit dem Alphabet und fügen ein paar Apostrophe und Akzente hinzu. Die Ergebnisse sehen mit Sicherheit viel zu sehr aus wie das Englische, haben viel mehr Laute als nötig, und sogar welche, von denen nicht einmal der Autor selbst weiß, wie man sie ausspricht.

Du erzielst desto bessere Resultate, je mehr du über Phonetik (die Wissenschaft der möglichen Laute in Sprachen) und Phonologie (wie Laute eigentlich in Sprachen benutzt werden) weißt. Nützliche Nachschlagewerke sind A Practical Introduction to Phonetics von J. C. Catford (exzellent zum Selbststudium) und Phonology von Roger Lass. Unten ist eine schnelle Übersicht.

(Anm. d. Übers.: Folgende Links gebe ich in diesem Zusammenhang immer gern weiter: Wikipedia-Artikel zur Lautschrift, interaktive Lautschrifttabelle, interaktive Lautschrifttastatur, DejaVu Fonts (enthalten Lautschriftzeichen und vieles mehr))

Arten von Konsonanten

Bild der Anatomie des Mund- und Rachenraumes bei Menschen
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Konsonanten entstehen, indem man den Luftstrom aus den Lungen am Hinausströmen hindert. Als erste Annäherung können wir sagen, dass Konsonanten innerhalb der folgenden Dimensionen variieren können:

Die Konsonanten im Englischen können folgendermaßen in einer Tabelle angeordnet werden:


labial lab-dent dental alv alv-pal velar glottal
Verschlusslaute p · b

t · d
k · g
Frikative
f · v th · th s · z sh · zh
h ·
Affrikaten



ch · j

Approximanten · w

· r, l · y

Nasale · m

· n
· ng

Anm. d. Übers.: Für das Hoch- bzw. Standarddeutsche würde das ganze so aussehen:


labial lab-dent alv alv-pal palatal velar uvular glottal
Verschlusslaute p · b
t · d

k · g

Frikative
f/v · v/w s · s sch · ch ·
ch · r h ·
Affrikaten pf ·
(t)z · tsch · dsch



Approximanten

· l
· j


Nasale · m
· n

· ng

Manchmal nimmt derselbe Laut in einer Sprache verschiedene Formen an, je nach seiner Position im Wort. Zum Beispiel wird das p im Englischen am Wortanfang behaucht, aber überall sonst ist es unbehaucht. Oder: Das m im Englischen ist normalerweise labial, aber es ist ein Labiodental vor einem f. (Anm. d. Übers.: Vergleiche im Deutschen schematisch, empfangen. Das Deutsche macht auch einen Unterschied beim ch: Vergleiche Fach, Fichte — bei hinteren Vokalen wie dem a wird das ch uvular ausgesprochen, bei vorderen Vokalen wie dem i palatal.)

Sprachwissenschaftler nennen die grundlegenden Laute einer Sprache – also diejenigen, die ein Wort von einem anderen unterscheiden – Phoneme, und die Laute, die tatsächlich ausgesprochen werden, Phone. Sie würden sagen, dass das Englische ein Phonem /p/ hat, während es zwei phonetische Realisationen oder Allophone hat, nämlich das behauchte [ph] und das unbehauchte [p].

Konsonanten erfinden

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Du wirst bemerkt haben, dass die Konsonantentafel fürs Englische Lücken hat. Heißt das, dass du neue Laute erfinden kannst um die Lücken zu füllen? Oh ja.

Zum Beispiel gibt es im Englischen nur stimmhafte Nasale. Deine Sprache könnte stimmlose Nasale haben. Englisch hat einen velaren Verschlusslaut (k), aber keinen velaren Frikativ. Deutsch hat einen (das ch in Bach (Anm. d. Übers.: im Standarddialekt oft als uvularer Frikativ realisiert!)). Manche Sprachen haben zwei, einen stimmhaften und einen stimmlosen. Das Deutsche hat außerdem eine labiale Affrikate, pf.

Noch aufregender ist es, ganze Reihen von Konsonanten hinzuzufügen, die sich in Dingen unterscheiden, wo im Englischen kein Unterschied gemacht wird, wie zum Beispiel bei der Palatalisierung oder der Aspiration. Oder entferne Reihen, die es im Englischen gibt. Cusco-Quechua zum Beispiel hat drei Reihen von Verschlusslauten: behauchte, unbehauchte und glottalisierte, aber es unterscheidet nicht zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten.

Der eigentliche Schlüssel zu einer naturalistischen Sprache ist, ganze Dimensionen hinzuzufügen oder wegzunehmen. Es ist vorstellbar, dass eine Sprache einen einzigen glottalisierten Konsonanten hat, aber es ist wahrscheinlicher, dass sie eine ganze Reihe davon haben haben wird (entsprechend der Artikulationsstellen: p’, t’, k’). Eine Sprache könnte auch bloß zwei palatalisierte Konsonanten haben (wie im Spanischen: ll, ñ). Eine Sprache, die einen kompletten Satz davon hat, ist aber typischer.

Du kannst auch Artikulationsstellen hinzufügen. Während es im Englischen drei Reihen von Verschlusslauten gibt, gibt es zum Beispiel im Hindi fünf (Labial, dental, retroflex, alveolo-palatal und velar. Bei retroflexen Konsonanten wird die Zungenspitze etwas nach hinten zurückgebogen), und Arabisch hat sechs davon (bilabial, dental, "emphatisch" (frag nicht), velar, uvular, glottal).

Manche Konsonanten sind geläufiger als andere. Zum Beispiel haben praktisch alle Sprachen die einfachen Verschlusslauten p, t, k. Lass' Buch gibt Beispiele; siehe außerdem The Cambridge Encyclopedia of Language von David Crystal, S. 165.

Vokale

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Die wichtigsten Aspekte bei Vokalen sind die Geschlossenheit und die Zungenstellung.

Man kann Vokale anhand dieser beiden Dimensionen in ein Feld schreiben. Die Unterseite des Feldes wird kürzer gezeichnet, weil die Zunge dort nicht so viel Bewegungsspielraum hat, wie wenn der Mund offener ist.

r-t im Vokaltrapez

Um ein Gefühl für diese Unterschiede zu bekommen, sprich alle die Wörter in dem Diagramm oben aus, von oben nach unten oder von einer Seite zur anderen und achte darauf, wo deine Zunge und wie nah sie am Gaumen ist.

Vokale können außerdem in diesen Dimensionen variieren:

Das Englische hat ein relativ kompliziertes Vokalsystem:


ungespannt gespannt
vorne hinten vorne hinten
geschlossen pit put peat poot
mittel pet putt pate boat
offen pat pot father bought

Anm. d. Übers.: Im Deutschen sähe das dann zum Beispiel so aus:


ungespannt gespannt
vorne hinten vorne hinten
geschlossen ritt, rütteln ruckeln riet, rüde ruht
mittel retten, Götter rotten Reh, Vögel rot
offen
Ratte mag

Quechua (drei Vokale, i, u, a) und Spanisch (fünf Vokale, i, e, a, o, u) haben interessante einfache Systeme. Einfache Systeme haben die Tendenz, sich innerhalb des Vokalspektrums auszubreiten; ein i im Quechua kann sich zum Beispiel anhören wie das i in Englisch pit, peat oder pet. Im Spanischen haben e und o jeweils zwei Allophone: offen (wie in engl. pet, caught) in Silben, die mit einem Konsonanten enden, geschlossen (wie in engl. pate, pot) überall anders.

Nochmal—füge deiner Kunstsprache nicht einfach irgendeinen oder zwei exotische Vokale hinzu; versuche ein Vokalsystem zu entwerfen, das die beiden Dimensionen oben benutzt. Zum Beispiel könntest du mit dem englischen System beginnend die Unterscheidung zwischen gespannten und ungespannten Vokalen in die Tonne werfen und Rundung hinzufügen, und dann die vorderen und hinteren offenen Vokale zusammenschrumpfen (es gibt oft mehr geschlossene als offene Vokale).

Betonung

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Vergiss nicht, Betonungsregeln anzugeben! Englisch hat unvorhersagbare Betonungsregeln, und wenn du nicht darüber nachdenkst, wird deine Kunstsprache auch dazu tendieren, so zu funktionieren.

Französisch betont (leicht) die letzte Silbe. Polnisch und Quechua haben die Betonung immer auf der vorletzen Silbe. Das Lateinische hat eine etwas komplexere Regel: Betone die vorletzte Silbe, außer wenn beide letzten Silben kurz und nicht durch zwei Konsonanten getrennt sind.

Wenn die Regeln absolut regelmäßig sind, brauchst du betonte Silben nicht orthografisch zu kennzeichnen. Wenn sie aber unregelmäßig sind, denke darüber nach, ob du die betonten Silben explizit kennzeichnen möchtest, wie im Spanischen: corazón, porqué.

Im Englischen werden Vokale zu unbestimmbareren oder zentralisierteren Formen reduziert, wenn sie nicht betont werden. Das ist ein Grund dafür (allerdings nicht der einzige), warum die englische Rechtschreibung so schwierig ist.

Töne

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Im Mandarin-Chinesisch haben Silben vier Töne, oder Tonkonturen: hoch und flach, aufsteigend, tief fallend und hoch fallend. (Für zhongguórén: Nein, ich habe den dritten Ton nicht falsch beschrieben. Denk darüber nach.) Diese Töne sind Teil des Wortes und können dazu verwendet werden, Wörter mit verschiedenen Bedeutungen zu unterscheiden: 'Mutter', 'Hanf', 'Pferd', 'Fluch'. Kantonesisch und Vietnamesisch haben sechs Töne.

Wenn dir das zu kompliziert scheint, könntest du über ein Tonhöhenakzent-System nachdenken, so wie ich es in einer anderen Kunstsprache, Cuêzi, benutzt habe: Die Tonhöhe der Betonung in einem Wort kann entweder hoch sein oder tief. Japanisch und Altgriechisch sind Sprachen mit Tonhöhenakzent.

Im (Standard-)Japanischen können Silben entweder hoch oder tief sein; jedes Wort hat eine bestimmte 'Melodie', oder eine Abfolge von hohen und tiefen Silben – zum Beispiel hat ikebana 'Blumengesteck' die Melodie THTT; sashimi 'in Scheiben geschnittener roher Fisch' hat THH; kokoro 'Herz' hat THT. Das hört sich so an, als ob ein Ton für jede Silbe auswendig gelernt werden müsste, aber dies ist nicht der Fall. Alles, was du für ein Wort lernen musst, ist die Position des 'Akzents', wo der Ton am meisten fällt. Dann kannst du einfach diese drei Regeln anwenden:

Also bekommen wir für ike'bana HHHH, dann HHTT, dann THTT.

Phonologische Einschränkungen

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Jede Sprache hat eine Reihe von Beschränkungen für mögliche Wörter in dieser Sprache. Wenn du Englisch sprichst, weißt du zum Bespiel irgendwie, dass blick und drass mögliche Wörter sind, obwohl sie zufällig nicht existieren; vlim und mtar aber sind unmöglich englische Wörter.

Die phonologischen Einschränkungen deiner Sprache zu entwickeln braucht viel, viel Zeit, um der Sprache ihren eigenen einzigartigen Geschmack zu geben.

Fange mit einem bestimmten Silbenschema an. Zum Beispiel:

Versuche deine Einschränkungen zu verallgemeinern. Zum Beispiel ist m + t am Anfang eines Wortes im Englischen nicht erlaubt. Wir könnten das verallgemeinern als [Nasal] + [Verschlusslaut]. Die Regel gegen v + l kann zumindest zu [stimmhafter Frikativ] + [Approximant] verallgemeinert werden.

Noch ein Prozess, auf den du achten musst, ist die Assimilation. Aufeinander folgende Konsonanten tendieren dazu, sich an die gleiche Artikulationsstelle anzupassen. Deshalb lateinisch in- + port = import, ad- + simil = assimil. Assimilation ist auch der Grund dafür, dass das Plural-s im Englischen nach stimmhaften Verschlusslaute stimmhaft ist, wie in dogs oder moms. Sie ist außerdem der Grund dafür, dass sich Larry Nivens klomter aus seinem Buch The Integral Trees so falsch anhört. M + t (obwohl nicht unmöglich) ist schwierig, weil jeder Laut an einer anderen Artikulationsstelle ist; es ist wahrscheinlich, dass beide Laute entweder zur dentalen Position wandern (klonder) oder zur labialen (klomper). Ein anderes mögliches Ergebnis wäre, einen phonetischen Zwischenlaut einzufügen: klompter.

Außerirdische Münder

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Wenn du eine Sprache für Aliens entwickelst, wäre es eventuell ratsam, wirklich andere Laute zu benutzen (das heißt, wenn sie überhaupt sprechen können). Die Lösung in Marvel Comics ist, einfach ein paar Apostrophe zwischen die Buchstaben zu streuen: "Dies ist die Kaiserin Nx'id''ar' vom Planeten Bla'no'no!". Larry Niven verletzt stattdessen einfach die phonologischen Regeln des Englischen: tnuctipun. Das können wir besser.

Denke über die Form der Münder deiner Aliens nach. Haben sie vielleicht lange Schnauzen? Das würde bedeuten, vielleicht ein paar Artikulationsstellen mehr hinzuzufügen. Vielleicht funktioniert aber der Luftstrom selbst unterschiedlich: Zum Beispiel könnten sie keine Nase haben und deshalb keine Nasale produzieren können; oder sie können nicht aufhören zu atmen während sie sprechen, sodass alle ihre Vokale nasal wären; oder der Luftstrom hat eine höhere Geschwindigkeit, sodass die Laute höher werden und es vielleicht mehr emphatische Konsonanten gibt. Oder vielleicht erlaubt ihnen ihre Anatomie ziemlich komische Klicks, Schnalzer und Schmatzer, die Phoneme in ihren Sprachen geworden sind.

Manche Autoren haben sich Lebewesen mit zwei Stimmapparaten ausgedacht, die es diesen Lebewesen erlauben, zwei Laute gleichzeitig auszusprechen, oder sich selbst zweistimmig zu begleiten.

Oder wie wäre es mit Lauten oder Silben, die sich in ihrer Klangfarbe unterscheiden? Wörter könnten eine unterschiedliche Bedeutung haben, je nachdem ob die Stimme wie eine Posaune, eine Geige, eine Trompete oder eine Gitarre klingt.

Sich zusätzliche Laute einfallen zu lassen ist schwierig und vielleicht mühsam für den Leser; eine außerirdische Stimmung kann auch dadurch erzeugt werden, ganze Dimensionen wegzunehmen. Ein Alien könnte vielleicht keine stimmhaften Laute prodzieren (Alßo hört es ßich für Enklänter ein pisschen fie ein Teutscher an), oder es hat keine Lippen, also würde es keine Labiale geben (Nan nacht das auch dein Dauchreden so).


Alphabete

Orthografie

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Wenn du dich für die Laute deiner Sprache entschieden hast, möchtest du sicherlich auch eine Rechtschreibung dafür kreieren – das heißt, einen Standard zur Repräsentation der Laute im lateinischen Alphabet.

Ich empfehle, hier nicht allzu kreativ zu sein. Zum Beispiel könnte man a e i o u als ö é ee aw ù schreiben, mit den Akzenten am Wortende genau andersherum. Eine so exotische Rechtschreibung wäre aber wahrscheinlich hier nur der Versuch, ein phonetisches System interessanter zu machen, das eigentlich wenig originell ist und dem Englischen zu sehr ähnelt. Arbeite lieber an den Lauten und finde einen Weg, sie unkompliziert umzusetzen.

Wenn du an einer Sprache für eine Fantasywelt arbeitest, ist es ratsam darüber nachzudenken, wie englische (Anm. d. Übers.: oder deutsche) Muttersprachler deine schönen Wörter verhackstücken könnten. Tolkien dient hier als Modell: Er hat Quenya geschrieben, als ob es Lateinisch wäre. Er hat auch keine gemeinen Schreibweisen eingeführt und freundlicherweise darauf hingewiesen, dass alle Es am Ende ausgesprochen werden sollen. Tolkien konnte trotz allem nicht widerstehen zu verlangen, dass c und g immer hart ausgesprochen werden sollen (Anm. d. Übers.: also als k und g, nicht als s und dsch wie im Englischen), was bedeutet, dass viele seiner Namen (z. B. Celeborn) oft falsch ausgesprochen werden.

Marc Okrand, der Klingonisch erfunden hat, hatte die schlaue Idee, Klein- und Großbuchstaben mit unterschiedlichen phonetischen Werten zu belegen. Das hat den Vorteil, dass doppelt so viele Buchstaben zur Verfügung stehen, ohne Akzente benutzen zu müssen. Aber es ist nicht sehr ästhetisch und es macht es nicht leichter, sich die Laute zu merken, die sich dahinter verstecken.

Du könntest auch nach der Schönheit gehen wie ich, als ich Verdurisch erfunden habe. Ich mag keine Digraphen, deswegen habe ich das tschechische Alphabet als Vorbild genommen: č für tsch (statt ch), š für sch (statt sh) usw. Das ist dann am Ende darauf hinausgelaufen, dass ich extra eine Schriftart für den Mac basteln musste. Ich war vielleicht ein bisschen verrückt. (Beachte allerdings, dass es mittlerweile Schriftarten für nicht-westeuropäische Sprachen zuhauf gibt.)

Ein Gefühl für die verschiedenen Länder in deiner Welt kann durch verschiedene Schreibweisen für die jeweiligen Sprachen erzeugt werden. In meiner Fantasywelt werden zum Beispiel das Verdurische Ďarcaln und das Barakhinei Dhârkalen nicht allzu verschieden ausgesprochen, aber die verschiedenen Schreibweisen geben jeweils ein anderes Gefühl. Sicherlich würdest du lieber das zivilisierte Ďarcaln als das dunkle, brütende Dhârkalen besuchen, oder? (Reingelegt! Es ist derselbe Ort.)

Wenn du eine Hilfssprache erschaffen möchtest, solltest du dich natürlich nicht um die Regeln des Englischen kümmern. Benutze die geradlinigsten Schreibweisen, die möglich sind. Es wird nur Ärger geben, wenn du wie der Erfinder von Esperanto versuchst, neue Akzente einzuführen.

Ein Beispiel

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Hier ist das Alphabet, das ich mir für das Verdurische ausgedacht habe:

Verdurisches Alphabet

Beachte, dass es eine 1:1-Entsprechung zwischen dem verdurischen Alphabet und der Adaption im Standardenglischen gibt. Dies ist nicht sehr naturalistisch – Transkriptionsschemata sind normalerweise nicht so direkt –, aber es ist für einen Anfang nicht schlecht. Wenn du irgendwann dein eigenes Alphabet flüssig lesen kannst, fühle dich frei, Komplikationen hinzuzufügen.

Ein gutes Alphabet kann man nicht an einem Tag erschaffen. Dies hier hat im Laufe von Wochen Gestalt angenommen, während ich mit den verschiedenen Buchstabenformen gespielt habe.

Versuche die Buchstaben unterschiedlich aussehen zu lassen. Die besten Alphabete benutzen nicht jede mögliche Varation der Buchstabenteile, damit Buchstaben nicht so leicht verwechselt werden können. Tolkien ist hier ein schlechtes Beispiel: Die Elben müssen von Legasthenie geplagt sein. Wenn die Buchstaben anfangen einander zu ähnlich zu sehen, finden die Benutzer Wege, sie unterschiedlicher zu machen, zum Beispiel so, wie Programmierer einen Strich durch ihre Nullen machen. Europäer schreiben eine 1 mit einem schwungvollen Aufwärtsstrich am Anfang – unmöglich sie mit einem I zu verwechseln, aber sehr ähnlich einer 7, die deswegen einen zweiten horizontalen Strich bekommen hat!

Denke daran, dass Buchstaben während des Lebens einer Person oder einer Zivilisation immer und immer wieder geschrieben werden. Bei aufwändigen Buchstaben ist eine Vereinfachung wahrscheinlich. Du kannst diesen Prozess simulieren, indem du selbst den Buchstaben immer und immer wieder schreibst. Die entsprechenden Vereinfachungen empfehlen sich von selbst.

Beachte, dass ich Groß- und Kleinbuchstaben vorgesehen habe, wie im lateinischen oder griechischen Alphabet. Die Kleinbuchstaben sind alle handschriftliche Vereinfachungen der Großbuchstaben (die auch die historischen Formen sind). Im Nachhinein hätte ich vielleicht nicht das System aus Groß- und Kleinbuchstaben imitieren sollen, das sich in unserer Welt im Prinzip auf die westlichen Alphabete beschränkt. Ich hätte die "Großbuchstaben" für das Altertum und die "Kleinbuchstaben" für die Gegenwart verwenden sollen.

Ich habe versucht, jedem Buchstaben eine Geschichte zu geben, wie bei unserem Alphabet. Der Buchstabe T zum Beispiel leitet sich vom Bild einer Tasse ab, touresiu im Cuêzi; N war ursprünglich das Bild eines Fußes (nega). Ich muss zugeben, dass ich rückwärts gearbeitet habe: Ich habe Piktogramme erfunden, die sich in die Buchstaben hätten entwickeln können, die ich Jahre zuvor entworfen hatte!

Beachte außerdem, dass die großen Versionen der stimmhaften Konsonanten einfach den stimmlosen Buchstaben mit einem Strich durch entsprechen (das ist nicht ganz so offensichtlich bei D und T) und, dass die Buchstaben für š, č und ž alle offensichtliche Variationen von einander sind. Dies verletzt meine Regel vom "maximalen Unterschied" zwar etwas, aber ich denke, dass es das Alphabet interessanter macht.

Du wirst auch bemerken können, dass c und k beide im verdurischen Alphabet enthalten sind. Man verfällt zu leicht in diese Art Ethnozentrismus. Warum würde eine andere Sprache die verworrene Geschichte unseres Cs und Ks kopieren? Ich habe diese Symbole uminterpretiert, sodass sie sich auf /k/ und /q/ beziehen.

Akzente

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Ein guter Rat: Benutze nie einen Akzent, ohne ihm eine bestimmte Bedeutung zu geben, und zwar vorzugsweise eine, die immer gleich bleibt. Ich habe diesen Fehler im Verdurischen gemacht: Ich habe ö und ü wie im Deutschen benutzt, aber ë so ähnlich wie im Russischen (Palatalisierung des vorhergehenden Konsonanten), und ä steht bloß für ein doppeltes a. Als ich mit Cuêzi angefangen habe, war ich schlauer: Der Zirkumflex zeigt generell einen Vokal mit tiefem Tonakzent an.

Vermeide es, Apostrophe zu benutzen, nur damit Wörter ausländischer oder fremder wirken. Weil Apostrophe auf unterschiedlichste Weise benutzt werden, bedeuten sie am Ende vielleicht gar nichts für den Leser—Apostrophe stehen für einen Glottisschlag im Arabischen und Hawaiianischen, für Glottalisierung in Quechua, für Palatalisierung im Russischen, für Aspiration oder Silbentrennung im Chinesischen; oder aber für ausgelassene Laute im Englischen, Französischen und Italienischen.

Interessantere Schriftysteme

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Was, du sagst du möchtest eine Silbenschrift basteln? Eine Schreibschrift deines Alphabets? Ein logographisches System?

Lies ein gutes Buch darüber, wie Schriftsysteme funktionieren. Writing Systems von Geoffrey Sampson ist ein sehr gutes Buch. (Anm. d. Übers.: Du kannst auch einfach in der Wikipedia stöbern: Wikipedia-Portal zu Schriftsystemen, Liste mit Wikipedia-Artikeln zu Schriftsystemen)

Wenn dir das zu viel erscheint, sammele Informationen über das spezifische System, das du imitieren möchtest: zum Beispiel Chinesische Schriftzeichen (漢字), die japanische (カタカナ) oder die Maya-Silbenschrift, das syllabische Alphabet des Sanskrit (देवनागरी), das koreanische Alphabet (한글), oder das komplett auf Schreibschrift basierte arabische Alphabet (العربية) und so weiter.

Ein Buch wie Languages of the World von Kenneth Katzer gibt Beispiele zu einer großen Auswahl von Schriften. Comries The World's Major Languages tut das auch, geht aber noch mehr ins Detail. Oder investiere in den 400-Kilo-Gorilla dieses Studienbereichs – The World's Writing Systems von Daniels und Bright, das erklärt, wie alle Schriftsysteme dieser Welt funktionieren.

Beachte, dass logographische Schriften und Silbenschriften am besten bei solchen Sprachen funktionieren, die eine sehr begrenzte Silbenstruktur haben – Japanisch mit (K)V(n) ist nah am Ideal; Englisch ist nah am Pessimal.


Wortschöpfung

Wie viele Wörter braucht man?

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Wenn einen der Kunstprachenfloh erstmal gebisssen hat, wird die Idee des Speedtalk sicher folgen. Lassen wir Robert Heinlein das mal erklären:

Vor langer Zeit haben Ogden und Richards gezeigt, dass achthundertundfünfzig Wörter ein ausreichender Wortschatz seien, um alles auszudrücken, was durch "normales" menschliches Vokabular ausgedrückt werden kann, unterstützt von einer handvoll spezieller Wörter – etwa einhundert – für jedes Fachgebiet, zum Beispiel Pferderennen oder Ballistik. Etwa zur gleichen Zeit hatten Phonetiker alle menschlichen Sprachen analysiert: ungefähr einhundert Laute, ausgedrückt durch die Buchstaben eines allgemeinen phonetischen Alphabets. [...] Ein phonetisches Symbol entsprach einem ganzen Wort in einer "normalen" Sprache, ein Speedtalk-Wort war gleich einem ganzen Satz.

— Robert A. Heinlein, "Der Nova Effekt" ("Gulf", 1949; hier: eigene Übersetzung, da Original nicht vorlag)

Diese Idee ist sehr reizvoll, nicht nur, weil sie uns eine große Menge Arbeit zu sparen verspricht. Warum tausende Wörter erfinden, wenn ein paar hundert reichen?

Die unbequeme Wahrheit ist, dass Ogden und Richards geschummelt haben. Sie konnten den Wortschatz des Basic English nur deshalb so viel zusammenschrumpfen, weil sie idiomatische Ausdrücke wie make good ('gut machen') für succeed ('Erfolg haben') verwendet haben. Das mag zwar ein Wort einsparen, aber es ist immer noch ein Eintrag im Wörterbuch, der als Einheit gelernt werden muss, ohne die Hilfe seiner Bestandteile. Außerdem war der ganze Prozess höchst unregelmäßig (make bad ('schlecht machen') bedeutet nicht fail ('versagen')).

Die Speedtalk-Idee bekommt zwar Unterstützung dadurch, dass laut Untersuchungen 80% eines englischen Textes bloß aus den häufigsten 3000 Wörter bestehen, und 50% davon benutzen nur 100 Wörter. Allerdings (wie der Linguist Henry Kučera anmerkt) gibt es ein umgekehrtes Verhältnis zwischen der Häufigkeit und dem Informationsgehalt von Wörtern: Die häufigsten Wörter sind Funktionswörter (Präpositionen, Partikel, Konjunktionen, Pronomen), die nicht viel Bedeutung innehaben (und in der Tat komplett ausgelassen werden können, wie in Zeitungsüberschriften), während die Wörter mit der geringsten Häufigkeit die wichtigen Inhaltswörter sind. Es wird dir also nicht viel nützen, 80% der Wörter eines Satzes zu verstehen, wenn die restlichen 20% am wichtigsten für seine Bedeutung sind.

Ein weiteres Problem ist, dass Redundanz keine Schwäche, sondern eine Stärke ist. Claude Shannon hat gezeigt, dass der Informationsgehalt eines englischen Texts etwa ein Bit pro Buchstabe beträgt – nicht sehr viel, wenn man bedenkt, dass es bei einem zufälligen Text etwa fünf Bit pro Buchstabe sind. Hört sich nicht gerade effizient an, oder? Auf der anderen Seite hören wir nicht wirklich jeden einzelnen Laut in einem Wort (oder, wenn wir geübte Leser sind, lesen wir auch nicht jeden einzelnen Buchstaben). Wir benutzen die eingebaute Redundanz der Sprache, um zu verstehen, was gesagt wird.

Um es anders auszudrücken: D knnst nn dtschn Txt sgr hn Vkl vrsthn, oder durch einen Orkan gebrüllt, oder über eine wacklige Telefonleitung. Ähnlich verzerrter Speedtalk wäre unmöglich zu verstehen, weil komplette Morpheme (Anm. d. Übers.: d. h. bedeutungstragende Wortteile) fehlen oder missverstanden würden. Sehr wahrscheinlich ist der Grad der Redundanz menschlicher Sprachen ziemlich genau an das Mindestmaß an Information angepasst, das benötigt wird, um mit typischen Verzerrungen fertig zu werden.

Wie auch immer, geh ruhig und spiele mit der Speedtalk-Idee. Sie ist für ein paar Stunden Spaß beim Erarbeiten einer so klein wie möglichen Menge an Bausteinen gut zu gebrauchen. Und das Paraphrasieren, das du dabei übst, ist nützlich für das Erschaffen von Sprachen. Nimm es aber nicht zu ernst. Wenn du das nämlich tust, soll deine Strafe sein, 850 Wörter einer real existierenden Fremdsprache zu lernen und in einer Stadt voller einsprachiger Bewohner dieser Sprache ausgesetzt zu werden.

Außerirdische oder A-Priori-Sprachen

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Wenn du eine Sprache für eine andere Welt erfindest, wirst du natürlich Wörter haben wollen, die sich nicht wie aus einer real existierenden Sprache anhören. Dafür erfindet man einfach Wörter, die die Laute und Silbenstruktur deiner Sprache benutzen.

Das kann aber sehr schnell langweilig werden. Ich empfehle nicht, sich hinzusetzen und sich hundert Wörter auf einmal zu überlegen. Es ist wahrscheinlich, dass du dabei an Inspiration verlierst, oder dass du findest, dass die Wörter anfangen, sich alle gleich anzuhören. Du wirst außerdem vielleicht neue Wurzeln aufstellen, für die du viel einfacher Wörter aus existierenden Wurzeln hättest ableiten können.

Es ist nicht schwierig, Computerprogramme (Anm. d. Übers.: wie zum Beispiel Awkwords oder Kwegbalze) zu schreiben, die zufällig Wörter für deine Sprache generieren (und sogar die Silbenstruktur beachten). Wenn du das möchtest, behalte im Blick, dass Laute (und Silbenstrukturen) in natürlichen Sprachen nicht gleichmäßig wahrscheinlich verteilt sind. Englisch benutzt viel mehr Ts als Fs und mehr Fs als Zs.

Widerstehe der Versuchung, jeder möglichen Silbe eine Bedeutung zu geben. Echte Sprachen funktionieren so nicht (außer, wenn die Anzahl der möglichen Silben ziemlich gering ist). Sogar wenn du an einer hochgradig strukturierten Hilfssprache arbeitest, wirst du etwas Raum zum Manövrieren für einen späteren Ausbau brauchen können. Und die Sprecher deiner Sprache sollten nicht jedes Mal ein altes Wort rausschmeißen müssen, wenn sie ein neues Wort oder eine Abkürzung erfinden wollen.

Du möchtest vielleicht der Abwechslung halber eine Mischung von Wörtern verschiedener Länge haben. Aber erfinde nicht zu viele lange Wörter. Es ist besser, lange Wörter durch die Kombination von kleineren abzuleiten, oder indem man Nachsilben anfügt. Oder erschaffe zwei Sprachen und bilde Wörter in der einen Sprache aus Komponenten der anderen Sprache, um die Art und Weise zu imitieren, wie Englisch voller mehrsilbiger Fremdwörter aus dem Lateinischen und Griechischen, oder Japanisch voller Lehnwörter aus dem Chinesischen ist.

Ein paar halb-erkennbare Lehnwörter

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Ich wollte, dass Verdurisch ein wenig vertraut aussieht, so, als ob es ein ferner Verwandter der europäischen Sprachen sein könnte. Zum Beispiel:

Sul Ad̂e otál mudray dy tü, dalu esë, er ya cečel rho sen e sënul.
Nur Gott ist so weise wie Du, mein König, und sogar darüber bin ich mir nicht sicher.
So cuon er so ailuro eu druki. Cuon ride še slušir misotém ailurei. So ailuro e arašó rizuec.
Der Hund und die Katze sind Freunde. Der Hund lacht über die Witze der Katze. Die Katze ist sehr lustig.

Um diesen Eindruck zu erwecken, habe ich Wörter aus einer Reihe von irdischen Sprachen entlehnt – zum Beispiel sind ailuro 'Katze' und cuon 'Hund' aus dem Griechischen adaptiert; sul 'nur' kommt aus dem Französischen; rizir 'belustigen' und ya 'in der Tat' sind aus dem Spanischen entlehnt; druk 'Freund' und slušir 'hören' aus dem Russischen. Die sympathische Orthografie und die einfache (K)(K)V(K)-Silbenstruktur helfen auch, die Sprache einladend zu machen.

Als Kontrast dazu sollte Xurnáš, eine andere Sprache, fremder aussehen:

Ir nevu jadzies mnošudacij. Toc šizen ri tos bunjači šasik rili. Tos dejic šuš bunji dis kezi. Syu šačo cu šuš izraugi.
Meine Nichte geht mit einem Bildhauer aus. Sie kann keine Mängel in ihm sehen. Er hofft, eines Tages eine Provinz zu regieren. Ich allerdings beneide diese Provinz nicht.

Sprachen auf Grundlage existierender Sprachen

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Hilfssprachen basieren oft auf existierenden Sprachen. Zum Beispiel basiert Esperanto hauptsächlich auf dem Französischen, Italienischen, Deutschen und dem Englischen. Hier reduziert sich das Problem, Wörter zu erfinden, größtenteils darauf, genügend gute Wörterbücher zu kaufen.

Ein paar Spracherfinder haben versucht, die Sache systematisch anzugehen – zum Beispiel basiert Interlingua auf neun Sprachen, und normalerweise wird dasjenige Wort aufgenommen, das sich in den meisten dieser Sprachen findet.

Lojban benutzt eine größere Auswahl von Sprachen – auch ein paar nicht-westliche – und benutzt außerdem einen statistischen Algorithmus, um eine gemittelte Form zu erstellen. Der Gedanke dabei ist, eine Gedächtnisstütze für eine sehr große Anzahl von Sprechern bereitzustellen. Es ist eine faszinierende Idee, aber ihre Ausführung ist so subtil, dass Lojban oft für eine A-Priori-Sprache gehalten wird.

Klangsymbolismus

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Manche Sprachwissenschaftler behaupten, ein paar gemeinsame Bedeutungsmuster in menschlichen Sprachen gefunden zu haben. Zum Beispiel wird vorderen Vokalen (i, e) nachgesagt, dass sie Kleinheit, Weichheit oder eine hohe Tonlange suggerieren; tiefe und hintere Vokale (a, u, o) hingegen suggerieren Größe, Lautheit oder eine tiefe Tonlage. Vergleiche klitzeklein, wispern, klimpern, zwitschern, piepen, quietschen, zirpen mit groß, rufen, Gong, klappern, krachen, knallen, brummen, poltern oder Spanisch mujercita 'kleine Frau' mit mujerona 'große Frau'. Cecil Adams hat dies zum Vorteil genutzt, als er zum Thema operative Penisvergrößerung folgenden Kommentar gegeben hat:

Wenn die Natur einen eher mit einem Ding als einem Dong ausgestattet hat, dann muss man eben damit leben.

Ausnahmen sind natürlich nicht schwer zu finden – insbesondere zum Beispiel Englisch small 'klein' und big 'groß'.

Wenn sie außerirdische Sprachen erfinden, benutzen Autoren auch einfach das, was wir phonetische Klischees nennen könnten. Tolkiens Orkisch zum Beispiel enthält sehr viele gutturale Laute und ist voll mit Konsonanten, während seine elbischen Sprachen vokalischer sind und viele schön klingende Ls und Rs zu enthalten scheinen.

Ein paar Richtlinien, um nicht den englische Wortschatz neu zu erfinden

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The Language Construction Kit von Mark Rosenfelder, © 1996, 2010.
Die Übersetzung ins Deutsche, Der Sprachbaukasten, von Carsten Becker (Impressum), © 2009.
2., durchgesehene und überarbeitete Fassung 3/2010 (Letzte Aktualisierung: 14.10.2010).