Mark Rosenfelder: Der Sprachbaukasten, aus dem Englischen von Carsten Becker

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Grammatik

Wenn du dann ein paar Wörter und vielleicht ein Alphabet zusammengeschustert hast, denkst du vielleicht, dass du fertig bist. Aber wahrscheinlich hast du bis hierhin bloß einen etwas besseren Code fürs Englische (oder Deutsche) geschaffen. Du musst noch an der Grammatik arbeiten, Meister!

In diesem Teil des Sprachbaukastens wird nicht versucht, Morphologie, Syntax und Pragmatik von vorne bis hinten zu erklären. Stattdessen möchte ich hier Dinge vorstellen, die deine Grammatik auf jeden Fall abdecken sollte, außerdem werden ein paar wichtige Fragen angesprochen und einige interessante Ansätze aus verschiedenen Sprachen vorgestellt.

Ist deine Sprache flektierend, agglutinierend oder isolierend?

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Flexionen oder Beugungen sind Affixe (Anm. d. Übers.: z. B. Vor- oder Nachsilben), die benutzt werden, um Verben zu konjugieren und Nomen zu deklinieren. Beispiele aus dem Englischen sind das -s, das wir für die dritte Person Präsens an Verben anhängen, das -s für den Plural und das -ed fürs Präteritum. Sprachen wie Russisch oder Lateinisch haben komplexe, um nicht zu sagen barocke Beugungssysteme.

Eine einzelne Flexion kann mehrere Bedeutungen transportieren. In der russischen Form domóv zum Beispiel zeigt die Endung -óv sowohl den Plural als auch den Genitiv an; sie hat keine offensichtliche Beziehung zu anderen Pluralendungen (z. B. Nominativ ) oder zur Genitiv-Singular-Endung (-a). Im Spanischen comí zeigt die Endung die erste Person Singular Präteritum Indikativ an – eine ziemlich große Aufgabe für einen einzelnen Vokal, sogar für einen mit Akzent!

In agglutinierenden Sprachen hat ein Affix eine Bedeutung. Zum Beispiel Quechua wasikunapi 'in den Häusern'; die Pluralendung -kuna ist von der Fallendung -pi getrennt. Oder mikurani 'ich aß' – hier werden das Suffix fürs Präteritum, -ra-, und die Personenendung -ni getrennt behandelt.

In isolierenden Sprachen gibt es überhaupt keine Suffixe. Bedeutungen werden unterschieden, indem man zusätzliche Wörter einfügt. Zum Beispiel kann im Chinesischen wǒ chi fàn entweder 'ich esse' oder 'ich war am Essen' bedeuten, je nach Kontext. Das Verb wird hier nicht gebeugt. Um die Zeitangabe genauer zu bestimmen, können Adverben eingesetzt werden: wǒ chi fàn zuótià 'ich war gestern am Essen'.

(In der Praxis sind alle natürlichen Sprachen etwas gemischt: Manche Flexionen haben nur eine Bedeutung, Quechua hat zum Beispiel ein paar Flexionen, und das Chinesische hat tatsächlich vorgeschriebene grammatikalische Partikel, wie etwa den Aspektpartikel le, der die Abgeschlossenheit der Handlung anzeigt: wǒ chi fàn le 'ich aß'.)

Kunstsprachler scheinen zu agglutinierenden oder isolierenden Sprachen zu tendieren. Aber Flexionen haben auch ihren Vorteil: Sie neigen zum Beispiel zur Kompaktheit. Die Kürze von ist unschlagbar.

Hast du Nomen, Verben und Adjektive?

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Warum nicht eines oder zwei davon loswerden?

Es ist nicht schwer, Adjektive loszuwerden. Man kann sie auch einfach als Verben behandeln: Anstatt zu sagen "Die Wand ist rot" könnte man sagen "Die Wand rotet". Genauso kann man dann statt "die rote Wand" "die rotende Wand" sagen.

Mit solchen Tricks kann man sogar das Verb sein loswerden, das manchen Theoretikern zufolge für den Großteil des leichtfertigen Denkens heute verantwortlich ist. (Heinlein achtete darauf, "sein" nicht aus Speedtalk zu verbannen.) So ziemlich die einzige Antwort, die diese Auffassung verdient ist: Wenn klares Denken nur so einfach wäre.

Man kann diese Idee auch auf Nomen ausdehnen. Zum Beispiel werden in Lakhota ethnische Bezeichnungen als Verben ausgedrückt, nicht als Nomen. Es gibt ein Verb 'ein Lakhota sein': Die Präsensformen bedeuten 'ich bin ein Lakhota', 'du bist ein Lakhota' und so weiter.

Daraus kann man sich einen Spaß machen: "Der Fels ist unter dem Baum" könnte ausgedrückt werden als "Es steint unter dem Wachsenden, Grünen, Blühenden" oder so ähnlich; oder vielleicht "Es steint, worüber es grünend wächst". Wenn wir aber tatsächlich solch eine Sprache entdecken sollten, würde ich mich fragen, ob wir uns nicht selbst an der Nase herumführen. Wenn es ein Wort gibt, dass sich auf Steine bezieht, warum übersetzt man es dann als 'steinen' und nicht einfach als 'Stein'?

Jorge Luis Borges postuliert in Tlön, Uqbar, Orbis Tertius eine Sprache ohne Nomen. Aber das auch nur, weil ihre Sprecher alle Berkleysche Idealisten sind, die nicht an die Objektpermanenz glauben. Jedenfalls mögen Linguisten keine semantischen Klassen – oder Metaphysik –, um semantische Kategorien zu definieren (Dies ist nicht die richtige Ebene zur Analyse; und dieser Ansatz neigt dazu, zu verschleiern, wie Sprachen wirklich funktionieren, indem man sie alle aussehen lässt wie Lateinisch.)

Jack Vance hat in Die Sprachen von Pao eine Sprache ohne Verben postuliert. Zum Beispiel wird "Ich würde gerne zwei Dinge mit dir besprechen" zu etwas wie "Aussage-der-Wichtigkeit – Im-Bereitschaftszustand – zwei; Ohren – von [Ort, Name] – Im-Bereitschaftszustand; Mund – von dieser Person hier – Im-Wunschzustand". Vance ist wohl im Veräppelungszustand.

Wie werden Plural, Fall und Geschlecht von Adjektiven und Nomen angezeigt?

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Was sind Fälle? – Eine Möglichkeit, Nomen nach ihrer Funktion zu kennzeichnen: z. B. im Lateinischen:

mundus – Subjekt oder Nominativ: die Welt (ist, tut, ...)
mundum – Direktes Objekt oder Akkusativ: (etwas wirkt auf) die Welt
munde – Vokativ: Oh Welt!
mundi – Possessiv oder Genitiv: der Welt
mundo – Indirektes Objekt oder Dativ: der Welt (gegeben, verkauft, usw.)
mundo – Ablativ: (etwas wird getan) von der Welt

(Anm. d. Übers.: Im Deutschen kennzeichnen wir unsere Nomen auch mit Fällen. Historisch hat das so ähnlich funktioniert wie im Lateinischen. Aber abgesehen vom Genitiv (manchmal auch "Zweiter Fall" oder "Wes-Fall" genannt), wo ein Nomen zusätzlich ein -(e)s angehängt bekommt, benutzen wir heute einen anderen Trick, um die Fälle zu kennzeichnen: Wir verändern einfach die Artikel. Denk mal darüber nach!)

Englisch hat eigentlich auch Fälle: Possessive wie world's sind ansich Genitivformen. Außerdem wird bei den Pronomen eine Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt vorgenommen (I/me, we/us). (Anm. d. Übers.: Im Deutschen haben wir sogar für alle vier Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) Pronomen: ich - mein - mir - mich; du - dein - dir - dich; er - sein - ihm - ihn/sich, usw.)

Generell ist es so, dass Kunstsprach-Enthusiasten Fälle entweder lieben (weil sie eine Sprache kompakt und die Satzstellung freier machen), oder hassen (weil das Englische nicht allzu viel damit anstellt).

Manche Sprachen, so wie das Baskische, benutzen eine andere Art von Kongruenz (Anm. d. Übers.: Lat. für 'Übereinstimmung'. Im Deutschen zum Beispiel wird die Beugung von Verben je nach Person und Anzahl des Nomens oder Pronomens, auf das sich das Verb bezieht, angepasst) bei den Fällen. Anstatt dass das Subjekt des Satzes immer im selben Fall steht (dem Nominativ), stehen hier das Subjekt von intransitiven Sätzen (z. B. "Das Fenster zerbrach.") und das Objekt von transitiven Sätzen (z. B. "Ich zerbrach das Fenster.") im selben Fall, nämlich dem Absolutiv, während das Subjekt von transitiven Sätzen (z. B. "Ich zerbrach das Fenster.") im Ergativ steht.

Wenn du das seltsam findest: Ein paar Sprachen, so wie das australische Dyirbal, benutzen das Nominativ-Akkusativ-System für die Pronomen der ersten und zweiten Person (ich, wir, du, ihr) und das Ergativ-Absolutiv-System für Nomen und für die Pronomen der dritten Person.

Wenn eine Sprache keine Fälle hat, kann es sein, dass sie sich auf die Satzstellung stützt, um das Verhältnis der Argumente eines Verbs aufzuzeigen. Aber es gibt auch noch eine andere Alternative: Kopfmarkierung am Verb. Zum Beispiel Swahili (oder Suaheli): Kitabu umekileta? 'Hast du das Buch hergebracht?'—Hier hat das Verb leta Präfixe, die das Subjekt (u-, 'du') und das Objekt (-ki-, ein Dritte-Person-Präfix, das im Geschlecht mit kitabu übereinstimmt) anzeigen. Die geschlechtsspezifische Markierung des Objekts am Verb erlaubt eine freie Satzstellung, sogar ohne dass man die Fälle an den Nomen kennzeichnen müsste.

Haben Nomen ein Geschlecht?

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Beachte, dass das Geschlecht (oder "Genus") nicht einfach nur männlich/weiblich bedeuten muss (Anm. d. Übers.: Aus diesem Grund unterscheiden wir hier zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht. Schau dir deutsche Nomen an ...). Swahili zum Beispiel hat acht Genus-Klassen, und keine davon ist männlich/weiblich: eine Klasse ist für Tiere, eine für Menschen, eine für abstrakte Nomen, eine für Diminutive, usw.

Ich wage zu behaupten, dass nicht viele Kunstsprachen grammatische Geschlechter haben (Verdurisch schon, weil es ja naturalistisch sein soll). Die Leute fragen: "Wozu sollen grammatische Geschlechter denn gut sein?" Nun ja, dieses Konzept ist erstaunlich hartnäckig: Man kann es in indogermanischen und semitischen Sprachen und auch in Sprachen der Bantufamilie seit mindestens 5.000 Jahren finden. Ein grammatisches Geschlecht muss also zumindest zu etwas zu gebrauchen sein. Ein paar Möglichkeiten:

Werden Verben nach Person, Geschlecht und/oder Anzahl gebeugt?

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Genau wie Fälle helfen Personenendungen, schöne kompakte Sätze zu bilden, weil man generell Subjektpronomen weglassen kann, wenn man sie benutzt.

Manche Sprachen, so wie Swahili oder Quechua, beziehen das Objektpronomen auch mit ins Verb ein, gewöhnlich als Infix.

Die romanischen Sprachen haben klitische Formen der Pronomen, die gerade so noch keine Flexionen sind: z. B. Französisch Je le vois 'Ich sehe ihn', Spanisch Digame 'Sag mir'.

Baskische Verben können nach Informationen über den Zuhörer gebeugt werden. Zum Beispiel ist ekarri digute eine neutrale Art zu sagen 'Sie haben es uns gebracht'. Ekarri zigunate bedeutet dasselbe, aber es zeigt auch an, dass der Zuhörer eine Frau ist, die geduzt wird.

Welche Unterschiede werden bei Verben gemacht?

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Ein paar Unterschiede, die Sprachen machen:

Alle Sprachen können diese Unterschiede ausdrücken, aber sie unterscheiden sich darin, inwiefern diese Merkmale grammatikalisiert sind, das heißt, inwiefern sie von der Morphologie und Syntax der Sprache reflektiert werden. Im Englischen zum Beispiel sind Person und Anzahl im Verbsystem grammatikalisiert, im Japanischen nicht. Dafür haben japanische Verben aber positive und negative Formen, und sie zeigen auch in ihrer Morphologie den Grad an Ehrerbietung an.

Sprachen können sich auch darin unterscheiden, wie viele Unterschiede in den oben genannten Kategorien gemacht werden.

Wie lauten die Personalpronomen?

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Die grundsätzlichen, universellen Personen sind die erste (bezieht sich auf den Sprecher), die zweite (der Zuhörer) und die dritte (alle anderen). Jedenfalls gibt es trotzdem noch viel Spielraum. Pronomen können folgendermaßen unterschieden werden:

Ich habe mal eine Rasse von amphibischen Aliens erfunden, die verschiedene Pronomen an Land und unter Wasser benutzt und außerdem zwischen inklusiv/exklusiv und proximal/obviativ unterschieden haben. Sie hatten auch noch ein Pronomen für kollektives Denken und Pronomen für alle ihre drei Geschlechter. Die komplette Liste war beeindruckend.

Wie lauten die anderen Pronomen?

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Meiner Meinung nach war die beste Idee, die Zamenhof hatte, seine Tabelle der Korrelative. Eine nette Art, seine Pronomen zu organisieren. Fürs Englische sieht das so aus:


Frage Dieses Jenes Manche Keine Alle
Adjektiv which this that some no every
Person who someone no one everyone
Ding what something nothing everything
Ort where here there somewhere nowhere everywhere
Zeit when now then sometime never always
Weise how thus - somehow - -
Grund why - - - - -

Anm. d. Übers.: Und im Deutschen sieht das so aus:


Frage Dieses Jenes Manche Keine Alle
Adjektiv welche diese/r/s, der/die/das hier jene/r/s, der/die/das da irgendein/e/es keine/r/s jede
Person wer jemand niemand
Ding was etwas nichts
Ort wo hier dort irgendwo nirgendwo überall
Zeit wann jetzt dann irgendwann nie immer
Weise wie so - irgendwie - -
Grund warum deshalb - - - -

Es ist einfach und unterhaltsam, diese Tabelle regelmäßig zu machen, obwohl natürliche Sprachen generell Löcher lassen, die mit anderen Ausdrücken gefüllt werden müssen (in keiner Weise, ohne Grund).

Du fragst dich vielleicht, ob die Frage- ("Wer war es?") und die Relativpronomen ("Ist dies der Mann, der es getan hat?") immer dieselben sind; in manchen Sprachen sind sie es nicht. (Anm. d. Übers.: Das Englische verwendet in beiden Fällen dasselbe Wort: who. Im Deutschen gibt es stattdessen eine Überlappung zwischen den Relativpronomen und den Artikeln.)

Generell kann mann sagen, dass, wenn die Nomen dekliniert werden, diese Pronomen genauso dekliniert werden. Manchmal ist es aber schlimmer – Englisch zum Beispiel hat getrennte 'von'- und 'nach'-Formen aufrecht erhalten (here/hence = von hier; here/hither = hierher), lange nachdem solche Unterschiede für normale Nomen verlorengegangen waren.

Wie lauten die Zahlen?

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Basiert das Zahlensystem auf der Zehn oder auf einer anderen Zahl? Viele menschliche Zahlensysteme basieren auf Fünfern. Meine pronomophilen Außerirdischen hatten ein Duodezimalsystem. Intelligente Maschinen würde sicherlich das Hexadezimalsystem bevorzugen...

Wie werden höhere Zahlen gebildet? Dreiundvierzig zum Beispiel kann folgendermaßen gebildet werden:

Wenn Nomen dekliniert werden, können das auch Zahlen. Oder auch nicht. Im Lateinischen zum Beispiel hört man bei vier damit auf.

In indogermanischen Sprachen sind wir an unanalysierbare Wurzeln für die Zahlen gewöhnt. Aber in anderen Sprachfamilien sind die Zahlwörter Ableitungen, oft mit dem Prozess des Zählens von Fingern und Zehen verknüpft – z. B. Choctaw 5 = tahlapi 'die erste (Hand) fertig'; Klamath 8 = ndan-ksahpta 'drei habe ich übergebeugt'; Unalit 11 = atkahakhtok 'es geht runter (zu den Füßen)'; Shasta 20 = tsec 'Mann' (wird erachtet, 20 zählbare Glieder zu haben).

Für weitere Zahlen siehe die Quellenseite meiner Sammlung von Zahlen von 1 bis 10 in über 5.000 Sprachen.

Was ist mit Adjektiven?

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Adjektive können ähnlich wie Nomen funktionieren, ähnlich wie Verben, oder anders als beide. Wenn sie wie Nomen sind, dann stimmen sie generell mit ihren Hauptnomen in Geschlecht, Fall und Anzahl überein. Wenn sie wie Verben sind, dann werden sie auch wie Verben konjugiert.

Wie werden komparative Ausdrücke ("demütiger als Du", "am demütigsten", "genauso demütig wie Du") gebildet?

Es ist sinnvoll, wenn man ein paar regelmäßige Ableitungen für oder von Adjektiven parat hat:

Gibt es Artikel (ein, der/die/das)?

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Viele Sprachen, so wie Lateinisch und Russisch, kommen ganz gut ohne sie aus.

Es hilft vielleicht zu verstehen, was dieser Unterschied wirklich bedeutet. Zuerst einmal ist er pragmatisch: Der, die, das kann umformuliert werden als "Du weißt, über wen oder was ich rede". Vergleiche:

Ich habe einen Mann beim Rodeo gesehen. Der Mann trug einen fürchterlichen karierten Anzug.
Einen Mann im ersten Satz signalisiert, dass dieser Charakter in das Gespräch eingeführt wird. Der im zweiten Satz signalisiert, dass er schon bekannt ist. Er ist eigentlich sogar genau der Typ, über den wir gerade geredet haben. Das -m in beim Rodeo ist eine Verkürzung von bei dem. Dem ist eine Form des bestimmten Artikels das, und dieses das vor Rodeo zeigt an, dass der Sprecher davon ausgeht, dass der Hörer weiß, welches Rodeo gemeint ist. Falls nicht, dann hätte er bei einem Rodeo gesagt.

Die Satzstellung erfüllt dieselbe Funktion im Russischen. Dort würde man im Prinzip sagen:

Ich sah Mann in Rodeo. Mann trug fürchterlichen karierten Anzug.
Wenn er zum ersten Mal genannt wird, steht der Mann am Ende des Satzes; wenn er schon bekannt ist, taucht er am Anfang auf.

(Eigentlich gibt es nicht viele Rodeos in Russland, aber egal.)

In welcher Reihenfolge stehen die Elemente der Nominalphrase?

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Vergleiche Artikel, Zahlen, Adverben, Adjektive, Possessive, Nebensätze... Zum Beispiel:

die zehn sehr fröhlichen Roboter, die das XYZ-Examen bestanden haben

Man kann Satzteile generell in Haupt- und Bestimmungswörter einteilen. Manche Sprachen setzen alle Bestimmungswörter konsequent vor, andere hinter ihre Hauptwörter. Englisch ist kopf-final (Anm. d. Übers.: Deutsch auch), Nebensätze bilden die Ausnahme. Japanisch ist auch kopf-final, aber es ist darin konsequenter: Man würde sagen "die das XYZ-Examen bestanden habenden Roboter".

In welcher Reihenfolge stehen die Satzteile?

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Linguisten sprechen gerne über die Reihenfolge von Subjekt (S), Prädikat (P) und Objekt (O), die selbstverständlich in nur sechs Kombinationen auftreten können: SPO (wie im Englischen oder Swahili), SOP (Lateinisch, Quechua, Türkisch), PSO (Walisisch), OPS (Hixkaryana), OSP (Apurinã), POS (Malagasy). Die letzten drei sind aus irgendeinem Grund selten, obwohl es sie tatsächlich gibt.

Kombinationen und Komplikationen sind normal. Zum Beispiel ist Deutsch im Wesentlichen SOP, aber ein finites Verb (alles außer einem Partizip oder einem Infinitiv) steht im Hauptsatz nach dem Subjekt:

Mein Vater ist vor einigen Tagen nach London gefahren.

(Deutsch wird normalerweise nicht so beschrieben. Meine Beschreibung hier ist aber trotzdem genauso richtig und benötigt nur eine Ausnahme. Der übliche Ansatz (SPO) benötigt zwei Ausnahmen, eine für infinite Verben im Hauptsatz und eine für Nebensätze.)

Wie werden Relativsätze gebildet (Der Mann, der ...)?

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Es kann nützlich sein, anhand der generativen Transformationsgrammatik über Relativsätze nachzudenken. Zum Beispiel kann ein Satz wie

Der Mann, den John gestern geschlagen hat, mag lieber Bier als Wein.
als eine Ableitung durch Transformation eines eingebetteten Satzes in einem anderen aufgefasst werden:
Der Mann [John hat ihn gestern geschlagen] mag lieber Bier als Wein.

Deine Sprache könnte auch Beschränkungen auferlegen, inwiefern was genau relativiert werden kann. Die folgenden Beispiele sind im Englischen möglich, aber nicht in bestimmten anderen Sprachen.

the girl [you think [I love her]]
→ the girl you think I love

the neighbor [I traumatized his pastor]
→ the neighbor whose pastor I traumatized

the cat [I said [Alesia brought it home]]
→ the cat that I said Alesia brought home

Anm. d. Übers.: Im Deutschen funktionieren nicht alle Sätze:

das Mädchen [Du denkst [Ich liebe sie]]
→ *das Mädchen, das du denkst ich liebe
?das Mädchen, das du denkst, das ich liebe
→ das Mädchen, von dem du denkst, dass ich es liebe

der Nachbar [Ich habe seinen Pastor traumatisiert]
→ der Nachbar, dessen Pastor ich traumatisiert habe

die Katze [Ich sagte [Alesia hat sie nach Hause gebracht]]
→ *die Katze, die ich sagte Alesia hat nach Hause gebracht
→ die Katze, von der ich sagte, dass Alesia sie nach Hause gebracht hat

Im Englischen ist aber nicht alles möglich:

This is the man [my girlfriend's father is a friend of John and him]
→ *This is the man that my girlfriend's father is a friend of John and.
oder (danke an Leo Connolly für dieses Beispiel):
There's the barn [more people have gotten drunk down in back of it than any other barn in the county]
→ *There's the barn that more people have gotten drunk down in back of than any other barn in the county.

Anm. d. Übers.: Deutsch im Vergleich:

Das ist der Mann [der Vater meiner Freundin ist ein Freund von John und ihm]
→ *Das ist der Mann, von dem der Vater meiner Freundin ein Freund von John und ist.

Da ist der Schuppen [mehr Leute haben sich hinter ihm besoffen als in jedem anderen Schuppen in der Gegend]
→ Da ist der Schuppen, hinter dem sich mehr Leute als in jedem anderen Schuppen in der Gegend besoffen haben.

Manche Sprachen können solche Sätze einfach handhaben, indem sie das Pronomen im Nebensatz stehen lassen. S. J. Perelman hat das gerne im Englischen gemacht:

"That's the man which my wife is sleeping with him!"

Wenn deine Sprache Fälle hat, musst du aufpassen, dass die Pronomen im richtigen Fall stehen – Englisch gibt dir hier nicht den richtigen Instinkt, jetzt, wo whom nur noch von Pedanten wie mir verwendet wird. Generell ist derjenige der richtige Fall, der auch im Nebensatz verwendet werden würde. In The cat that I said Alesia brought home zum Beispiel sollte das that, das die Katze vertritt, in dem Fall stehen, der für the cat in Alesia brought the cat home verwendet würde.

Quechua hat eine interessante Art, Sätze zu konstruieren, indem man Partizipien verwendet. Zum Beispiel:

Chakra-y yapu-q runa-ta qaya-mu-saq
Feld-mein pflügen-Partizip Mann-Akkusativ rufen-[Hin-Bewegung]-[ich-Futur]
Ich werde den Mann rufen, der mein Feld gepflügt hat.
Der Nebensatz hat – statt der Form eines normalen Satzes ("der Mann hat mein Feld gepflügt") – die Form eines Partizips ("der mein Feld pflügende Mann").

Wie werden Ja/Nein-Fragen gebildet?

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Englisch hat eine eher barocke Prozedur (Subjekt und Objekt werden vertauscht). Andere Sprachen benutzen einfach einen Anstieg in der Satzmelodie oder fügen am Anfang des Satzes oder beim Verb einen Partikel hinzu (z. B. Polnisch czy).

Viele andere Sprachen geben Möglichkeiten zur Antwort auf Fragen vor. Zum Beispiel wird auf den Lateinischen Partikel num ein "Nein" erwartet (Num ursi cerevisiam imperant?, "Bären bestellen kein Bier, oder?"), während nonne ein "Ja" vorgibt (Nonne ursus animal implume bipes?, "Bären sind federlose Zweifüßer, ja?")

Wenn Fragen mit einem nachfolgenden Partikel gebildet werden (z. B. -ne im Lateinischen oder -chu in Quechua), kann der Partikel direkt dem Wort hinzugefügt werden, nach dem gefragt wird . Wir können diesen Effekt im Englischen nur durch Betonung erzielen (Trinkt der Bär Bier? Trinkt der Bär Bier?) oder durch Umordnung (Ist es Bier, was der Bär trinkt?)

Eine Art der Fragestellung im Chinesischen ist, dem Zuhörer eine Wahlmöglichkeit zu geben: Nǐ shì bu shì Běijing rén? 'Kommst du aus Beijing?', wörtlich 'Du bist, nicht bist aus Beijing?'.

Manche Leute, ob du es glaubst oder nicht, kommen ganz ohne Wörter für "Ja" oder "Nein" aus. Die übliche Abhilfe ist, das Verb aus der Frage zu wiederholen: "Kennst du den Weg nach San José?" kann beantwortet werden mit "Ich kenne" oder "Ich kenne nicht", als Beispiel hier Portugiesisch:

— Você conhece o caminho que vai a São José?
— Conheço ('Ich kenne')

Was ist mit anderen Fragen?

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Im Englischen werden normalerweise die Fragewörter an den Anfang des Satzes gestellt. Andere Sprachen machen das nicht so, sondern fragen im Prinzip: "Du hast was gefragt?" oder "Sie geht mit wessen Freund aus?"

Beachte auch, dass manche Sprachen unterschiedliche Pronomen für Relativsätze ("Der Mann, der fischt") und Fragen ("Wer ist der Mann?") verwenden. (Anm. d. Übers.: Das Englische verwendet in beiden Fällen dasselbe Wort: who. Im Deutschen gibt es stattdessen eine Überlappung zwischen den Relativpronomen und den Artikeln.)

Wie werden Sätze verneint?

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Hier gibt es wieder viele Möglichkeiten:

Was ist mit Konjunktionen?

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Das Lateinische hat da einen netten Trick: Um X und Y auszudrücken, kann man X Y-que sagen – ein enklitischer Partikel. Der Ausdruck SPQR ("Senatus Populusque Romæ") ist ein Beispiel für diese Konstruktion: der Senat und das Volk Roms.

Das Lateinsche unterscheidet außerdem zwischen inklusivem und exklusivem oder: vel X vel Y bedeutet, dass X oder Y oder beide gelten, aber aut X aut Y bedeutet, dass entweder das eine oder das andere gilt, aber nicht beide zugleich.

Quechua ist vor der spanischen Eroberung komplett ohne Konjunktionen ausgekommen. Um Dinge zusammenzufügen, hat man üblicherweise eine Nebeneinanderstellung benutzt. Genauso gut kann man auch die Fallendung mit der Bedeutung "mit" benutzen: Eigentlich sagt man also "X und Y", indem man "X mit Y" sagt. Ich bin mir nicht sicher, wie Disjunktionen ("oder") verwendet wurden – heute benutzt Quechua aus dem Spanischen entlehnte Formen.


Stil

Eine natürliche Sprache hat ein breites Spektrum an Registern oder Sprachstilen: von zeremonieller oder ritueller Sprache über offizielle oder wissenschaftliche, journalistische oder Schriftsprache, Konversationssprache, Umgangssprache bis zum Slang. Kinder sprechen auf ihre eigene Weise, genauso wie Dichter. Die oberen Zehntausend sprechen anders als die unteren Bevölkerungsschichten.

Einige dieser Register funktionieren auf vorhersagbare Weise. Zum Beispiel werden Riten oft in einer archaischen Form der jeweiligen Sprache (oder manchmal in einer gänzlich anderen Sprache) durchgeführt. Die Gelehrtensprache beinhaltet oft ältere, längere, fremdsprachliche oder Fachausdrücke. Im Verdurischen zum Beispiel gibt es in der Gelehrtensprache viele Fremdwörter aus seiner Ursprache, Cad̂inor.

Slang stellt oftmals einen humorvollen Ersatz für gewöhnliche Ausdrücke bereit. Manche dieser Ersatzausdrücke aus dem Vulgärlateinischen sind normale Wörter in den romanischen Sprachen geworden: testa 'Topf' hat caput 'Haupt' ersetzt, daraus ist im Französischen tête geworden (Anm. d. Übers.: Dasselbe ist auch im Deutschen passiert: der Kopf (althochdeutsch chopf 'Schale, Becher'; verwandt mit Englisch cup 'Tasse, Schale, Pokal') hat nach und nach das 'Haupt' verdrängt.). Bucca 'Wange' hat os 'Mund' ersetzt und ist zu bouche geworden. Caballus 'Gaul' hat equus ersetzt, das Ergebnis ist cheval.

Slang entleht auch Wörter aus den Sprachen von Minderheiten: z. B. kommen Französisch toubib, chnouf, bled aus dem Arabischen; das Englische shiv und pal kommen aus der Sprache der Sinti und Roma, schlock ist aus dem Jiddischen entlehnt, jazz und jive wurde von den Afroamerikanern beigesteuert; Spanisch calato und cachaco kommen aus dem Quechua.

Höflichkeit

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Alle Kulturen haben Möglichkeiten, um Höflichkeit auszudrücken, aber sie unterscheiden sich in den benutzten Methoden und inwieweit Höflichkeit grammatikalisiert ist.

Anna Wierzbicka zufolge legt die höfliche Rede großen Wert darauf, andere zu respektieren und Befehle zu vermeiden. Das Englische hat eine breite Auswahl an indirekten Formen, um Leute um Dinge zu bitten, oder um ihnen sogar Dinge anzubieten: Will you have a drink? Would you like a drink? Sure you wouldn't like a beer? Why don't you pour yourself something? How about a beer? Aren't you thirsty? (Möchtest du etwas trinken? Möchtest du einen Drink? Sicherlich hast du nichts gegen ein Bier? Warum schenkst du dir nicht etwas ein? Wie wäre es mit einem Bier? Bist du nicht durstig? – das Deutsche verwendet in solchen Fällen gern den Konjunktiv II, um so hypothetisch und indirekt wie möglich zu sein). Wir sind so sehr gewöhnt an solche Pseudo-Fragen, dass wir sie auch anstelle von direkten Imperativen benutzen, sogar wenn uns Freundlichkeit eigentlich fern ist: Würde jemand endlich mal diesen Scheißidioten von seiner Qual befreien? Verdammt nochmal, wirst du dich wohl endlich vom Acker machen?

Im Polnischen hingegen halst ein zuvorkommender Gastgeber seine Gastfreundlichkeit dem Gast geradezu auf, er tut den ausgesprochenen Protest und die Wünsche des Gasts als unwichtig ab: Proszę bardzo! Jeszcze troszkę! – Ale już nie mogę! – Ale koniecznie! ("Ein bisschen mehr bitte!" – "Aber ich kann nicht mehr!" – "Musst du aber!"). Das Polnische ist sehr frei mit Imperativen – in der Tat muss man stattdessen den Infinitiv benutzen, um wirklich energisch zu sein.

Das Japanische ist oft sogar noch indirekter als das Englische: z. B. wird der Imperativ vermieden: "Wir werden Coca-Cola trinken!" (Koka kora o nomimashou!) wird gegenüber "Trinke Coca-Cola!" bevorzugt.

Das Japanische ist auch bemerkenswert sowohl wegen seiner Beugungsformen für Höflichkeit (z. B. tetsudau 'hilft'; höfliche Form tetsudaimasu) als auch wegen gänzlich anderer Ausdrücke für dieselbe Sache (z. B. iku 'gehen', demütige Form mairu, ehrende Form irassharu).

Anredeformen sind ein fruchtbares Feld für vorzügliche Komplikationen, genauso wie Pronomen. In nicht wenigen Sprachen wird es eher als Intimität angesehen, jemanden in der zweiten Person anzureden: Um höflich zu sein, benutzt man den Plural (Französich vous), oder die dritte Person (Italienisch Lei, Deutsch Sie), oder einen Titel (Japanisch sensei 'Lehrer', otousan 'Vater' usw.). Wenn das seltsam erscheint, ist es wert anzumerken, dass das Englische den ersteren Weg gewählt hat, und zwar so konsequent, dass das Pronomen der zweiten Person Singular 'thou' (Anm. d. Übers.: entspricht dem deutschen du) komplett verschwunden ist.

Es ist versucht worden, Universalien der Höflichkeit zu formulieren, aber das kann schwierig sein. Zum Beispiel wurde vorgeschlagen, dass Höflichkeit mit einschließt, Meinungsverschiedenheiten zu vermeiden, aber in der jüdischen Kultur werden Uneinigkeiten als Ausdruck von Geselligkeit angesehen und so verstanden, dass sie Leute näher zusammenbringen. Es wurde auch gesagt, dass direktes Eigenlob vermieden und das Loben von anderen befürwortet wird. Eigenlob gilt aber unter englischsprachigen Afroamerikanern als gutes Benehmen, das direkte Loben von anderen wird im Japanischen vermieden.

Dichtung

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Was Dichtung anbelangt, musst du deine eigenen Muse befragen. Jedenfalls ist es sinnvoll, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass Reime nicht die einzige Grundlage für Lyrik sein müssen:


Sprachfamilien

Man kann Fantasiesprachen eine enorme Tiefe geben, indem man ihnen eine Geschichte und eine Verwandtschaft gibt. Verdurisch und seine Schwestersprache Barakhinei zum Beispiel leiten sich aus dem Cad̂inor ab, genauso wie Französisch aus dem Lateinischen entstanden ist. Cad̂inor, Cuêzi und Xurnáš wiederum leiten sich aus dem Proto-Ost-Erelaischen ab und sind daher systematisch verwandt, ähnlich wie Lateinisch, Griechisch und Sanskrit alle aus dem Proto-Indogermanischen entstanden sind.

Was kann man mit solchen Verwandtschaften tun?

Wörter wechseln oft die Bedeutung, wenn sie entlehnt werden. Einige nette Beispiele aus dem Verdurischen:

Wie macht man das?

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Um diese Sache gut zu machen, musst du etwas über historische Linguistik wissen. Die sci.lang FAQ geben eine kurze Übersicht. Besser noch, lies Theodora Bynons exzellentes Buch Historical Linguistics oder Hans Heinrich Hocks sogar noch gründlicheres Principles of Historical Linguistics.

Als Grundprinzip gilt, dass der Lautwandel fast komplett regelmäßig ist. Das sind gute Neuigkeiten: Es bedeutet, dass alles, was du zu tun hast, ist, eine Reihe von Lautwechseln zwischen der Ursprache und ihrer Tochtersprachen aufzustellen und sie auf jedes Wort anzuwenden.

Hier zum Beispiel sind ein paar der Lautwandel von Cad̂inor zum Verdurischen:

Eine andere Reihe von Lautwechseln kann benutzt werden um eine Schwestersprache zu erschaffen. Zum Beispiel werden im Barakhinei stimmlose Konsonanten zwischen Vokalen stimmhaft (das ist ein extrem verbreiteter Lautwechsel), der letzte Laut jedes Wortes geht verloren usw. Das Nettoresultat ist eine Sprache, die zwar mit dem Verdurischen verwandt ist, aber subtile Unterschiede aufweist:

Cad̂inor Verdurisch Ismaîn Barakhinei Bedeutung
prosan prosan prozn proza 'laufen'
molenia mólnia moleni molenhi 'Gewitter'
ueronos örn ŕone feron 'Adler'
aestas esta eşte âshta 'Sommer'
laudan lädan luȥn laoda 'gehen'
geleia želea jeleȥe gelech 'ruhig'

Wenn du dich dafür interessierst, Lautwandel auf eine Sprache anzuwenden um eine Sprache abzuleiten, wirst du mein Sound Change Applier-Programm nützlich finden. (Anm. d. Übers.: Das ganze in PERL und mit mehr Funktionen: Versatile Sound Change Applier)

Dialekte

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Du kannst dieselbe Technik verwenden, um Dialekte für deine Sprache zu erschaffen. Sprachwissenschaftlich gesehen sind Dialekte einfach eine Reihe von Sprachformen, die nicht genügend weit von einander abweichen, dass ihre Sprecher einander nicht verstehen können. Dialekte können einfach erschaffen werden, indem eine kleinere Anzahl an weniger dramatischen Lautwechseln definiert wird.

Zum Beispiel wird der avélische Dialekt des Verdurischen durch folgende Änderungen charakterisiert:

Dialekte können natürlich auch ihre eigenen Wörter haben, vielleicht von Nachbarsprachen entlehnt, oder von der vorherigen Bevölkerung des Gebiets übernommen.

Viele Leute nehmen an, dass der Dialekt der Hauptstadt (oder welcher Ort auch immer die Standardsprache zur Verfügung stellt) "reiner" und konservativer als die Provinzdialekte ist. Eigentlich ist das Gegenteil davon wahrscheinlich und wahr: Im aktiven Zentrum einer Kultur ändert sich die Sprache am schnellsten; in ländlichen oder isolierten Gebieten ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ältere Formen konserviert werden.

Wenn du daran interessiert bist, eine Hilfssprache zu erfinden, wirst du selbstverständlich alles daransetzen wollen, das Entstehen von Dialekten zu verhindern. Dies ist wahrscheinlich ein Ausdruck des faschistischen Charakterzuges, der sich in allen Sprachbastlern finden lässt. Warum nicht eine Hilfssprache mit Dialekten entwerfen, die die Phonologie der verschiedenen linguistischen Regionen widerspiegelt? Die resultierende Sprache mit Varianten, die nahe an den großen natürlichen Sprachen stehen, wird vielleicht mehr Akzeptanz finden als einheitliche Hilfssprachen.


The Language Construction Kit von Mark Rosenfelder, © 1996, 2010.
Die Übersetzung ins Deutsche, Der Sprachbaukasten, von Carsten Becker (Impressum), © 2009.
2., durchgesehene und überarbeitete Fassung 3/2010 (Letzte Aktualisierung: 14.10.2010).